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Ratgeber

Was tun nach einem Telefonbetrug — die ersten 24 Stunden

GhostCallers-Team 4 min Lesezeit

Du hast aufgelegt. Dein Herz rast noch. Vielleicht hast du gerade etwas bestätigt, das du nicht solltest. Vielleicht hast du Geld überwiesen. Vielleicht auch noch nicht — nur das Gefühl, dass etwas nicht stimmt.

Dieser Ratgeber sagt dir, was jetzt zu tun ist, geordnet nach Dringlichkeit. Nimm dir 10 Minuten und arbeite ihn der Reihe nach durch.

Erste 5 Minuten — für alles

Wenn du Geld überwiesen hast oder Codes durchgegeben hast:

Ruf sofort deine Bank an. Verwende die Nummer auf der Rückseite deiner Karte oder die offizielle Website — NIEMALS eine Nummer, die der Betrüger dir gegeben hat. Die wichtigsten Anti-Betrugs-Hotlines:

  • Sparkasse: 116 116 (zentrale Sperr-Hotline für ganz Deutschland)
  • Volksbank-Raiffeisen: 116 116 oder die Hotline deiner Bank
  • Deutsche Bank: 116 116 oder die App
  • ING: 069 50 50 90 69 (Notfall-Sperre)
  • Commerzbank: 069 79 53 33 33
  • DKB: 030 120 300 00
  • PayPal: über die App → Sicherheitscenter

Bei Echtzeit-Überweisungen (SEPA Instant) gibt es ein kurzes Zeitfenster (Minuten), in dem die Bank versuchen kann, die Überweisung zu stoppen. Klassische Überweisungen lassen sich bis zur Ausführung (normalerweise nächster Werktag) zurückholen.

Wenn du PayPal Friends&Family verwendet hast: Diese Zahlungen haben keinen Käuferschutz und sind in der Regel nicht zurückzuholen.

Wenn du auf deinem Computer Software installiert hast:

Stecke das LAN-Kabel aus oder deaktiviere das WLAN sofort. Schalte deinen Computer nicht aus — eventuell läuft gerade eine Aktion, die du verlangsamen willst.

Auf einem anderen Gerät (Smartphone, Tablet, anderer PC):

  1. Ändere die Passwörter deiner E-Mail-Konten zuerst (die sind der Master-Schlüssel zu allem anderen).
  2. Dann Online-Banking, Online-Shops, Soziale Medien.
  3. Aktiviere wo möglich Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA).

Erste Stunde

Anzeige erstatten

Bei der Polizei. Du kannst:

  • Online-Wache deines Bundeslandes nutzen (Berlin → internetwache-polizei-berlin.de, Bayern → polizei.bayern.de/onlinewache, etc.). Funktioniert für nicht-akute Fälle und ist 24/7 verfügbar.
  • Persönlich zur nächsten Polizeidienststelle gehen.
  • 110 anrufen — nur bei akut laufenden Vorfällen (Bote noch unterwegs, Übergabe noch nicht erfolgt).

Für die Anzeige nützlich:

  • Die Anrufer-Nummer (ggf. von deinem Display fotografieren).
  • Uhrzeit und Dauer des Anrufs.
  • Inhalt — was wurde gesagt, welche Beträge wurden verlangt.
  • Bei Übergaben: Beschreibung der Person, des Fahrzeugs, Kennzeichen wenn gesehen.
  • Bei Überweisungen: IBAN, BIC, Empfängername (auch wenn falsch).

Bei der Bundesnetzagentur melden

Bei Rufnummern-Missbrauch (Spoofing, illegaler Werbeanruf, falsche Polizei): bundesnetzagentur.de/rufnummernmissbrauch. Das Online-Formular dauert 5 Minuten. Die BNetzA verhängt regelmäßig Bußgelder im sechs- bis siebenstelligen Bereich und sperrt Nummern.

Bei GhostCallers eintragen

Such die Anrufer-Nummer hier und füg deinen Hinweis hinzu. Es dauert eine Minute und kann verhindern, dass die nächste Person reinfällt. Wenn die Nummer noch nicht da ist, erscheint sie nach deinem Hinweis im System.

Erste 24 Stunden

Schufa und Konten überwachen

Wenn der Betrug Identitätsdiebstahl beinhaltet (Pass-/Personalausweisnummer, Bankdaten):

  • Schufa-Selbstauskunft kostenlos einmal pro Jahr unter meineschufa.de. Prüfe, ob unter deinem Namen Verträge angelegt wurden.
  • Schufa-Sperrvermerk beantragen, wenn du Hinweise auf Identitätsdiebstahl hast — verhindert, dass jemand in deinem Namen Verträge abschließt.
  • Online-Konten täglich prüfen: E-Mail, Bank, Amazon, PayPal. Verdächtige Logins direkt sperren.

Auf weitere Anrufe vorbereitet sein

Wenn ein Betrüger bei dir Erfolg hatte, kommt dein Name oft auf eine „Sucker-Liste” — und du wirst innerhalb der nächsten Wochen weiteren Anrufen ausgesetzt. Häufige Folgemaschen:

  • “Recovery Scam”: Ein angeblicher Anwalt, eine angebliche Polizei-Sondereinheit, eine angebliche Geldrückgewinnungs-Firma. Sie versprechen, dein Geld zurückzuholen — gegen eine “Bearbeitungsgebühr” im Voraus. Immer Betrug.
  • “Polizei” ruft an, um “Folgemaßnahmen zu besprechen” — und braucht “nur noch” eine letzte Überweisung zur “Sicherung der Beweise”.

Echte Behörden machen so etwas niemals. Echte Anwälte arbeiten nie mit Vorkasse. Echte Polizei ruft Opfer nicht an, um weitere Zahlungen zu fordern.

Erste Woche

Beratung holen

Bei größeren Schäden oder wenn du psychisch belastet bist:

  • Weisser Ring (weisser-ring.de) — bundesweit kostenlose Opferhilfe, vertraulich.
  • Verbraucherzentrale (verbraucherzentrale.de) — Beratung zu Vertragsproblemen, Inkasso, Rückforderungen.
  • BSI Bürger-CERT (bsi.bund.de) — bei IT-Sicherheitsvorfällen.

Versicherung prüfen

Manche Hausratversicherungen decken Telefonbetrug oder Internet-Betrug als Zusatzbaustein („Cyber-Schutz” oder „Telefonbetrug” in der Police). Schau in deine Police rein und melde den Schaden, wenn das relevant ist.

Familie informieren

Wenn du Senioren in deinem Umfeld hast: erzähl ihnen konkret, was passiert ist. Nicht abstrakt „pass auf vor Betrügern” — sondern konkret. Diese Geschichten sind das Wirksamste, was wir gegen Telefonbetrug haben.

Was du nicht tust

  • Du machst dir keine Vorwürfe. Diese Maschen sind professionell gebaut. Ärzte, Lehrer, Anwälte sind drauf reingefallen. Schließe nicht von dem Fall auf deinen Wert.
  • Du behältst es nicht für dich. Scham ist genau das Werkzeug der Täter — je länger du schweigst, desto besser für sie.
  • Du zahlst keine “Rückgewinnungs-Gebühr” — niemand kann dir Geld zurückbringen, das schon im Ausland ist, gegen Vorkasse.

Telefonbetrug ist 2026 ein Milliardengeschäft. Du bist nicht allein. Die meisten Opfer fühlen sich danach wie der einzige Mensch, dem das passiert ist — dabei sind es jeden Tag in Deutschland Hunderte. Genau deshalb gibt es GhostCallers: Damit die nächste Person nicht reinfällt.